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Viel ist in den Medien in letzter Zeit aufgepopt über den Bot Traffic (Bot = Computerprogramm das automatisch wiederkehrende Aufgaben abarbeitet) falsch produzierte Klicks und Views und weiter Online Marketing Betrügereien.

Doch seit es Möglichkeiten gibt mit Online Marketing und Werbung Geld zu verdienen gibt es auch findige Hacker und Computerexperten die diese Möglichkeiten für sich nutzen.

Am meisten Schlagzeilenpotential hatte wohl die Meldung das bereits mehr als die Hälfte des Internettraffic von Bots stammt. Aber auch hier muss man aufpassen, denn nicht alle Bots sind böse und schlecht. Viele der Mechanismen die das Web durchforsten wollen nicht unbedingt Werbeeuros klauen, sondern eigentlich Dinge testen.

Als Online Marketer muss ich hier sagen, je besser man sich auskennt im Online Marketing Werbedschungel, desto besser kann man diesen fake Traffic auch vermeiden. Ein guter Ansatz ist definitiv immer „harte“ Conversions als Kampagnenziel zu haben und auf diese zu optimieren. Doch mehr dazu später.

Instagram – Fake Followers und gekaufte Interaktion

Schon lange bekannt sind die gekauften Follower für die Influencer Accounts auf Instagram. Doch auch hier agieren größtenteils Bots und Botnetzwerke die Accounts automatisch erstellen und „auf Befehl“ Interaktionen wie Kommentare und Likes verteilen. Auch hier ist Instagram stets im Wettlauf, oder eher Hinterherhinken, um mit ihren Algorithmen den künstlichen Bot Traffic das Leben schwer zu machen und zu unterscheiden zwischen echt und nicht echt.

Einfach mal „buy 10.000 followers“ in Google eingeben und schauen was so daherkommt :). Netterweise haben sich aber auch schon Tools etabliert die es leicht machen die Bösewichter mit den gekauften Follower zu enttarnen. Eines davon ist Socialblade oder auch Hypeauditor. Problem hier aber oft das der Zeitraum der Analyse recht eingeschränkt ist und es schwieriger ist aufzudecken ob der Influencer vor einem Jahr schon mal kräftig zugelangt hat um Fans/Follower zu kaufen.

Doch es geht auch noch trickreicher. Sehr schön sichtbar bei Lifestyle und Reisebloggern, sind die „Engagement Gruppen“ an denen sich viele beteiligen. Auch das lässt sich ganz leicht mal googeln. Das Prinzip hier ist das man in einer Whatsapp / Facebook / Signal, … Gruppe ist und sein jeweiliges Instagram Posting dort postet und alle Gruppenteilnehmer dazu angehalten sind brav zu liken und zu kommentieren. Man selbst muss hier natürlich auch Zeit investieren und jedes Posting aller anderen Gruppenteilnehmer liken und kommentieren. Dadurch entsteht ganz schön Engagement und dem Werbetreibenden wird suggeriert dass der liebe Influencer Vollgas Engagement erzeugt mit jedem Posting. Nur leider bringt das dem Werbetreibenden nicht wirklich was, da ja quasi immer die selben „Fans“ interagieren und die keine Millisekunde damit verbringen sich das Posting wirklich anzusehen von ihren Kumpanen in der Engagement Gruppe :)

Dem auf die Schliche zu kommen ist schon etwas schwieriger, aber hier könnte man auch einfach ein Verbot für Engagement Gruppen in den Vertrag reinnehmen und den Influencer verklagen wenn er sich nicht an den Vertrag gehalten hat.

Branding Problem durch Views und Klicks von Bots

Der Großteil des Fake Traffic konzentriert sich auf einfach zu erreichende Ziele wie Views und Klicks zu produzieren. Zum Beispiel einen User zu simulieren der eine Seite ansurft und dort ein bisschen herumscrollt und auf gewissen Stellen stehenbleibt um so etwas wie Leseverhalten zu simulieren und dann auf eine Anzeige oder einen Link klickt.

Diese Webseiten sind oft auch schon von Hackern gebaut und haben einfach Werbeflächen von diversen Ad Anbietern wie Google Adsense und anderen eingebaut. Dort wird dann massiv künstlicher Traffic draufgefeuert und somit Geld verdient.

Ein relativ großes Problem hat das Branding im Online Marketing mit den Fake Views und Klicks. Für Brandingmaßnahmen werden oft große Werbebanner gekauft die möglichst oft gesehen werden sollen und eventuell auch angeklickt werden sollen. Auch programmatisch (programatic) werden möglichst viele Werbeflächen gebucht um eine möglichst große Reichweite mit dem Branding zu erzielen. Wenn hier eine Lawine von Fake Views auf diverse Webseiten und Banner rollt, ist das Werbegeld wirklich zum Fenster hinausgeschmissen.

Im New York Magazine Artikel vom 24.12.2018 wird dieses Phänomen und die Techniken dahinter wunderschön erklärt. Uneingeschränkte Leseempfehlung.

Meine Meinung zu dem Thema und wie man trotzdem effektives Online Marketing betreiben kann

Die einfachste Lösung wäre immer Conversion als Ziel und Optimierungsmaßnahme zu setzen. Kaum ein künstlicher/simulierter User (Bot) wird einen Kauf abschließen wo Geld fließen muss, oder auch keinen Lead als Abgabe von Kontaktdaten und E-mail Adresse produzieren.

Doch das geht nicht immer. Vor allem wenn es um Branding und Content Konsum geht, muss man sich andere Dinge einfallen lassen. Ein Ansatz ist hier, genau auf die Verweildauer und das Userverhalten bei dem Traffic zu schauen den man von einem Werbebanner oder Link bekommt für den man Geld ausgegeben hat. Wenn hier etwas nicht ganz passt, wie z.Bsp extrem kurze Verweildauer von einer bestimmten Quelle, dann stimmt hier etwas nicht mit dem Traffic von dort. Mit der genauen Messung der Verweildauer und zum Beispiel dem Anklicken von weiterführenden Artikeln auf der Seite kann man Fake Traffic ganz gut ausfiltern. Denn kein Bot wird auf eine Seite springen, dort länger verweilen und dann auch noch weiterführende Artikel lesen.

Wenn es wirklich um reine Bannerviews geht und man sichergehen will das echte Menschen damit erreicht wurden, muss man die AdTech Firmen und Mediaagenturen noch mehr dazu zwingen die User als echte User identifizieren zu können und ihre Trackingmechanismen zu verbessern.

Wenn es um die Wahl der Werbemittel selbst geht kann man mit reinen Textanzeigen in der Suchmaschine auch noch ganz gut den Fake Traffic ausschließen.

Google hat hier die Nase vorn, vor allem bei AdWords (Google Ads) die nur auf der Suchmaschine geschalten werden ist es eher unwahrscheinlich viele Fake Klicks abzubekommen.

Weiterführende Links zum Schmökern:

Und noch ein älterer Artikel der genau erklärt wie vorgegangen wird um Webseiten zu erstellen die Fake Traffic auf Ads schicken -> Forgers use fake web users to steal real ad revenue